Die IG Klima Kürten - Klimafreundlichkeit, Nachhaltigkeit und Mobilität für Kürten

Die IG Klima Kürten - Klimafreundlichkeit, Nachhaltigkeit und Mobilität für Kürten

Patrick Walraf ist der Sprecher der IG Klima Kürten, einer Bürgerinitiative, die sich für nachhaltige Entwicklung und konkrete Maßnahmen zum Schutz von Klima und Umwelt in der Gemeinde Kürten engagiert.

Die Initiative informiert über Klimathemen, bringt eigene Ideen in die kommunale Diskussion ein und setzt sich für eine zukunftsfähige und lebenswerte Gemeinde ein.

Dieses Interview habe ich geführt, da Klimaschutz für kommende Generationen immer wichtiger wird und Mobilität ein Thema ist, welches schon immer Relevanz hatte. 

1. Was hat Sie persönlich dazu motiviert, die IG Klimakürten zu gründen?

Die damalige Klimapolitik der Bundesregierung hat mich sehr enttäuscht. Gleichzeitig haben mich die Fridays-for-Future-Bewegung und mein langjähriges Interesse an Umwelt- und Klimaschutz motiviert. Aus einem Gefühl der Ohnmacht heraus wollte ich selbst aktiv werden. Nach einem Aufruf meldeten sich zwölf Menschen aus Kürten, und 2021 entstand die IG Klimakürten.

2. Welche Veränderungen im Verkehrsverhalten beobachten Sie in Kürten?

In den letzten Jahren gibt es deutlich mehr Pedelecs und kleine Elektrofahrzeuge. Außerdem werden seit der Sanierung der Wege zwischen Kürten und Eichhof mehr Menschen zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs gesehen. Das zeigt, dass eine gute Infrastruktur dazu beiträgt, dass Menschen häufiger auf nachhaltige Verkehrsmittel umsteigen.

3. Was bedeutet nachhaltige Mobilität für Sie konkret im Alltag?

Nachhaltige Mobilität bedeutet für mich, möglichst umweltfreundliche Verkehrsmittel zu wählen. An erster Stelle stehen das Zu-Fuß-Gehen und das Fahrrad, danach E-Bikes und öffentliche Verkehrsmittel. Das E-Auto ist zwar ressourcenintensiver, kann aber besonders in ländlichen Regionen eine klimafreundliche Lösung sein, vor allem wenn es mit selbst erzeugtem Solarstrom geladen wird.

4. Wie kann nachhaltige Mobilität auf dem Land funktionieren?

Da viele Menschen auf dem Land auf das Auto angewiesen sind, sollte möglichst auf kleine E-Autos umgestiegen werden. Die meisten täglichen Strecken sind relativ kurz und können problemlos mit kleineren Akkus bewältigt werden. Dadurch werden weniger Ressourcen verbraucht und die Mobilität bleibt trotzdem alltagstauglich.

5. Wo gibt es gute Beispiele für klimafreundliche Mobilität im Rheinisch-Bergischen Kreis?

Positiv sind die zunehmende Nutzung von E-Bussen bei der WUPSI und die Leih-Pedelec-Stationen in verschiedenen Orten. Carsharing gibt es zwar bereits, wird aber noch wenig genutzt und ist außerhalb des Ortskerns nur schwer umsetzbar.

6.  Welche Rolle spielt Elektromobilität?

Elektromobilität spielt eine zentrale Rolle, weil wir langfristig auf fossile Energien verzichten müssen. Sie reicht von E-Bikes bis hin zu Autos, Bussen und Lastwagen. Gleichzeitig bietet sie die Chance, Energie vor Ort aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen und die Abhängigkeit von Energieimporten zu verringern.

7. Wie nachhaltig sind E-Autos im Vergleich zu Verbrennern?

Die Herstellung von E-Autos verursacht zunächst höhere Emissionen. Nach etwa 30.000 bis 70.000 Kilometern gleichen sie diesen Nachteil jedoch aus und sind anschließend klimafreundlicher als Verbrenner. Durch den steigenden Anteil erneuerbarer Energien im Strommix werden E-Autos mit der Zeit sogar noch nachhaltiger.

8. Welche Vorurteile begegnen Ihnen häufig beim Thema Klimaschutz im Verkehr?

Häufig wird behauptet, E-Autos seien insgesamt umweltschädlicher oder es gäbe zu wenig Ladeinfrastruktur. Auch die Rohstoffgewinnung wird oft kritisiert. Viele dieser Probleme bestehen jedoch schon seit Jahrzehnten und betreffen nicht nur die Elektromobilität. Zudem hat sich die Ladeinfrastruktur inzwischen deutlich verbessert.

9.  Wie kann man Menschen motivieren, ihr Mobilitätsverhalten zu ändern?

Menschen sollten die Möglichkeit bekommen, neue Mobilitätsformen selbst auszuprobieren, zum Beispiel durch Probefahrten mit E-Autos oder Pedelecs. Oft merken sie dann, dass diese Fahrzeuge praktisch sind und Spaß machen. Zusätzlich können die niedrigeren Betriebskosten ein wichtiger Anreiz sein.

10.  Welche Verantwortung tragen Politik, Wirtschaft und Bürger?

Die Politik trägt die größte Verantwortung, da sie die Rahmenbedingungen für den Klimaschutz schafft. Die Wirtschaft muss nachhaltiger handeln und sich von fossilen Geschäftsmodellen lösen. Bürgerinnen und Bürger können durch ihr Konsum- und Mobilitätsverhalten ebenfalls einen Beitrag leisten und Veränderungen unterstützen.

11. Wie könnte Kürten im Jahr 2035 aussehen?

Ich wünsche mir mehr Elektrofahrzeuge, besser genutzte Busse und deutlich mehr Menschen, die mit dem Fahrrad oder Pedelec unterwegs sind. Außerdem sollten mehr Radwege entstehen, da nachhaltige Mobilität auch positive Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen hat.

12. Was würden Sie jungen Menschen raten, die sich für den Klimaschutz engagieren möchten?

Im Bereich Klimaschutz gibt es heute viele berufliche Möglichkeiten, sowohl in der Ausbildung als auch im Studium. Außerdem ist es wichtig, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und gemeinsam aktiv zu werden, da Gemeinschaft hilft, Ohnmacht und Sorgen besser zu bewältigen.

13. Wenn Sie drei Dinge sofort verändern könnten, welche wären das?

Wenn ich zaubern könnte, würde ich die jetzige Regierung absetzen. Ich würde Katharina Reiche und Friedrich Merz sofort absetzen, irgendwie ins Altenheim schicken oder sonst wohin, beide machen eine katastrophale Politik. Diese zerstörerische Politik verunsichert die Bürgerinnen und Bürger. Also Verbrennerverbot irgendwie doch aufheben oder irgendwie doch Gaskraftwerke bauen und so weiter. Also sie verhindern, dass wir als Gesellschaft hier in Deutschland in die wissenschaftlich erwiesen richtige Richtung gehen. Ich würde eine konsequentere Klimapolitik umsetzen, Subventionen für fossile Energien abbauen und den Ausbau von Photovoltaikanlagen, besonders auf öffentlichen Gebäuden und Freiflächen, deutlich beschleunigen.

14. Wie sieht Ihr eigener Alltag aus?

Mein Alltag wird vor allem durch meine Arbeit in einer psychosomatischen Klinik geprägt. Wegen meines langen Arbeitswegs beschäftige ich mich intensiv mit nachhaltiger Mobilität. In meiner Freizeit engagiere ich mich stark in der IG Klima Kürten und bereite Vorträge und Projekte zum Klimaschutz vor.

15. Welche Erfahrungen haben Ihre Sicht auf Nachhaltigkeit geprägt?

Besonders prägend waren die Begegnung mit Gleichgesinnten und die Gründung der IG Klima Kürten. Auch die Fridays-for-Future-Bewegung sowie Wissenschaftler und Autoren wie Volker Quaschning und Maja Göpel haben meine Sicht auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit stark beeinflusst.

16. Haben Sie noch letzte Worte zur Förderung von Klimaschutz und Mobilität?

Kommunikation ist aus meiner Sicht der wichtigste Schlüssel. Es geht nicht darum, andere zu belehren, sondern offen miteinander ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen zu teilen und Bedenken ernst zu nehmen. So können Menschen besser für Klimaschutz und nachhaltige Mobilität gewonnen werden.


Das Interview führte Isabell Hollfelder. 

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