Besuch beim neuen Kürtener Bürgermeister Mario Bredow

 Besuch beim neuen Kürtener Bürgermeister

Im November trat der neu gewählte Bürgermeister von Kürten Mario Bredow sein Amt an. Er ist parteilos, wurde bei der Wahl jedoch von CDU, FDP, Bündnis90/Die Grünen und FW BfB Kürten unterstützt. Auf unsere Nachfrage nach einem Interview antwortete er schnell und beantwortete geduldig unsere Fragen. Viel Spaß beim Lesen und Kennenlernen.


 

Der Bürgermeister Mario Bredow stellte sich zuerst kurz vor:
Er ist 41 Jahre alt, in Kürten aufgewachsen und lebt nun mit seiner Frau und vier Kindern in Kürten-Dürscheid. Beruflich begann er als Jurist, arbeitete als Rechtsanwalt, war danach im Rechtsamt der Stadt Lüdenscheid tätig und wurde später Beigeordneter. Dort verantwortete er unter anderem Ordnung, Soziales, Verkehr, Feuerwehr, Schulen, Jugend, Bildung, Sport und Kultur.
Seit dem 1. November ist er Bürgermeister von Kürten und befindet sich aktuell noch mitten in der Einarbeitung.

 

DAS INTERVIEW

 

1. Wie kamen Sie auf den Weg in die Öffentlichkeit und zur Politik?

Ich war schon immer politisch aktiv und wollte Dinge gestalten. In der Kommunalpolitik merkt man oft, dass etwas besser laufen könnte. Irgendwann wollte ich die Verantwortung dafür selbst übernehmen. So bin ich in die Verwaltung der Stadt Lüdenscheid gekommen. Der Wechsel nach Kürten war für mich besonders attraktiv, weil ich hier aufgewachsen bin und hier Dinge vor Ort bewegen möchte.

 

2. Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Im Moment – nach nur drei Wochen im Amt – gibt es noch keinen festen Tagesablauf. Meistens bin ich gegen 9 Uhr im Rathaus, abhängig davon, wie der Morgen mit den Kindern läuft. Der Tag besteht aus internen Besprechungen, Informationsgesprächen, Terminen mit Vereinen, Kirchen, Schulen und vielen Antrittsbesuchen. Oft bin ich abends länger da, da Sitzungen meist spät stattfinden.

 

3. Welche Aufgaben machen Ihnen am meisten und welche am wenigsten Spaß?

Am meisten Freude macht mir, die Menschen hier kennenzulernen. Inhaltlich liegt mir besonders der Bereich Personal und Organisation, weil ich darin viel Erfahrung habe. Außerdem der Bereich Ordnung und Sicherheit. Weniger Freude macht mir noch der technische Baubereich – da fehlen mir Erfahrung und Fachwissen.

 

4. Was macht die Gemeinde Kürten für Sie besonders?

Kürten ist mein Zuhause. Ich kenne fast jeden Ort, hatte hier politische Ämter, habe hier gelebt und Sport gemacht. Das Arbeiten am Wohnort hat zwar Nachteile (man wird häufiger angesprochen), aber viel mehr Vorteile, weil man die Menschen und Strukturen gut kennt.

 

5. Wie wird sich die Gemeinde mit Ihnen als Bürgermeister verändern?

Ich möchte vor allem die Kommunikation modernisieren. Die Gemeinde soll künftig auch auf sozialen Netzwerken präsent sein: Facebook, Instagram und LinkedIn. So können wir Bürger besser erreichen und im Wettbewerb um Fachkräfte mithalten.

 

6. Wie berücksichtigen Sie die Anliegen von Kindern und Jugendlichen?

Es gibt bereits das Kinder- und Jugendparlament, mit dem ich im Austausch sein werde. Viele Jugendliche begegnen der Gemeinde über Schulen und Kitas – dafür braucht es gute Ausstattung und Beteiligungsmöglichkeiten. Auch die „Kürten-App“ soll dafür genutzt werden. Zudem werden soziale Medien künftig stärker eingebunden.

 

7. Wie geht es mit der Sanierung der Gesamtschule weiter?

Wichtig ist jetzt zuerst, einen neuen Planer für die Mehrzweckhalle zu finden. Die Kosten von rund 123 Millionen Euro bereiten mir Bauchschmerzen. Wir müssen prüfen, wo Einsparungen möglich sind. Das Projekt ist sehr komplex, aber nötig.

 

8. Kann die Gemeinde aus der Sanierung aussteigen?

Nein. Es gibt einen klaren Ratsbeschluss für genau diese Sanierung. Ein Ausstieg wäre nur möglich, wenn der Rat das ausdrücklich neu beschließen würde – dafür sehe ich derzeit keine Mehrheit.

 

9. Haben Sie Wünsche an die Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte?

Vor allem wünsche ich mir einen offenen und ehrlichen Umgang. Auch bei schwierigen Entscheidungen sollte man zuerst miteinander reden, bevor man über die Presse geht. Gute Kommunikation ist das Wichtigste.

 

10. Was würden Sie Ihrem 15-jährigen Ich raten?

Nicht mit dem Rauchen anzufangen.
Und beruflich: Macht das, worauf ihr Lust habt! Der Arbeitsmarkt verändert sich ständig, man sollte sich nicht von „keine Zukunft“-Argumenten abschrecken lassen.

 

11. Was möchten Sie bis 2030 erreicht haben?

  • Die Mehrzweckhalle soll längst fertig sein.
  • Die gesamte Schulsanierung sollte abgeschlossen sein oder zumindest einen festen Eröffnungstermin haben.
  • Ich hoffe, dass wir uns politisch weniger mit Krisen und Sicherheit beschäftigen müssen.
  • Und ich wünsche mir eine bessere finanzielle Ausstattung aller Kommunen durch Land und Bund.

 

12. Ist der Zeitplan für die Fertigstellung realistisch?

Schwer zu sagen. Ich komme nicht aus dem Baubereich, aber meine Erfahrung zeigt: Projekte dauern oft länger als geplant. Mit einem neuen Bauüberwacher Anfang nächsten Jahres könnte der aktuelle Zeitplan aber realistisch werden.

 

13. Was wird außer der Mehrzweckhalle noch saniert?

Das gesamte Schulgebäude – einschließlich Foyer, Klassenräume usw. – soll vollständig saniert werden. Deshalb ist der Kostenrahmen so hoch.

 

14. Wie war Ihr erstes Gefühl, als Sie das Rathaus zum ersten Mal als Bürgermeister betreten haben?

Sehr ungewohnt. Obwohl ich Erfahrung aus einer ähnlichen Position habe, ist Bürgermeistersein etwas anderes. Nach etwa zwei Wochen habe ich mich aber gut eingelebt. Die Kolleginnen und Kollegen haben mich sehr freundlich aufgenommen.

 

15. Straßenausleuchtung an Bushaltestellen – lässt sich da etwas verbessern?

Das Problem ist bekannt: Lampen funktionieren tagsüber, aber abends nicht. Wir sprechen mit dem Betreiber Belkaf, um schneller reagieren zu können. Neue Laternen brauchen politische Beschlüsse. Zusätzlich informieren wir die Busunternehmen über defekte Anzeigen, damit Kinder nicht ihre Haltestellen verpassen.

 

16. Möchten Sie uns noch etwas sagen?

Der Bürgermeister stellte auch selbst Fragen:
Er wollte wissen, wie die Schülerinnen und Schüler das Sanierungsprojekt sehen. Die Antworten reichten von pragmatisch („Wir erleben das Ergebnis sowieso nicht mehr“) bis kritisch („Planung hätte besser laufen können“), aber generell wurde Verständnis geäußert.

 

17. Und zum Schluss: ein kleines Porträt?

Die Schüler baten den Bürgermeister, sich selbst zu zeichnen – was er humorvoll und mit sichtbarer Mühe tat.



 


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