Kommentar zum "Shitstorm" auf unsere Schule

Ganz egal wie tief man die Latte des Horizontes legt - Es wird immer einen geben, der noch aufrecht darunter herlaufen kann.

Ich möchte mit diesem Kommentar niemanden zu nahe treten. Jedoch werde ich auch nicht meine Befürchtungen, Bedenken und Meinungen für mich behalten. Ich bin Maximilian und besuche die Gesamtschule Kürten nun seit elf Jahren, bzw. habe nun mein Abitur angetreten. In dem folgenden Text werde ich Ihnen etwas über den so genannten „Shit-Storm“ erzählen, welcher unserer Schule widerfahren ist und aus welchem ich nicht schlau werde.

Eine Lehrerin an unserer Schule wurde von ihrer Klasse gefragt, ob sie einmal die „fridays for future” Demonstrationen besuchen dürften. Unter „fridays for future” versteht man die Umwelt-Demonstrationen, die an Freitagen stattfinden. Hauptsächlich Schüler gehen auf die Straße und demonstrieren friedlich dafür, dass die Politik mehr für den Klimaschutz bzw. gegen den Klimawandel unternehmen soll. Aber an sich sollte man das Stichwort „fridays for future” schon einmal gehört haben, sofern man sich nicht komplett von der Außenwelt abgeschottet hat. Somit sollte auch jeder wissen, dass es ein sehr heiß diskutiertes Thema ist und jeder seine eigene Meinung dazu hat, was auch gut ist.

Nachdem dann die Lehrerin diesen Antrag bei unserem Schulleiter gestellt hatte und sie das Thema ebenfalls im Unterricht vor- und nachbehandeln wollte, wurde diese Exkursion genehmigt. Daraufhin wurde ein Elternbrief verteilt, mit dem die Eltern zustimmen oder ablehnen konnten, dass ihr Kind teilnehmen darf. Die Schüler konnten, im Falle der Zustimmung der Eltern, aktiv oder passiv an der Demonstration teilnehmen. Wenn eine erziehungsberechtigte Person gegen die Teilnahme des eigenen Kindes an der Exkursion entscheiden sollte, so würde dieses am betreffenden Tag in der Schule am Regelunterricht einer Parallelklasse teilnehmen. Ebenfalls stand auf dem Elternbrief, dass es, elterliche Zustimmung vorausgesetzt, eine Pflichtveranstaltung sei, man sich also nicht selbstständig frei nehmen kann. Also zusammengefasst hat man die Wahl: Demonstration oder Regelunterricht.

Ich persönlich finde es gut, dass den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gegeben wird, im geschützten Rahmen diese Demonstration zu besuchen und sich selbst ein Bild machen zu können. So sammelt man Erfahrungen und kann sich für etwas stark machen, sofern man das möchte. Das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung bzw. Demonstration finde ich gut, unabhängig vom Thema. Es ist ein unfassbares Geschenk, dass wir in diesem Land die Möglichkeit haben, unsere Meinung frei zu äußern. Man hat die Möglichkeit gegeben, dass sich die Schüler und Schülerinnen ein eigenes Bild des Geschehens machen könnten, ohne Fehlstunden zu sammeln. Wenn man diese Möglichkeit, warum auch immer, nicht wahrnehmen wollte, so würde man, wie bereits mehrfach erwähnt, in der Schule unterrichtet werden. Man müsste nur eine dieser zwei zur Wahl stehenden Optionen wahrnehmen, da es eine Pflichtveranstaltung sei. So konnten die Schüler/Schülerinnen nicht einfach zu Hause bleiben. Also war alles erlaubt, legitim und ohne gegen Gesetze zu verstoßen.

Doch dann hat ein Mitglied der AfD in den neuen Bundesländern, bzw. aus Sachsen, irgendwie davon Wind bekommen und sich in den sozialen Netzwerken dazu geäußert. Wo ich mich schon frage: 1. Wie kommt jemand aus Sachsen an einen Elternbrief an die Eltern von einer neunten Klasse aus Kürten?
Und 2.: Was kümmert es ein AfD-Mitglied aus Sachsen, was sich in Kürten abspielt?
Natürlich darf und soll jeder seine Meinung äußern, jedoch verstehe ich dessen Äußerungen so garnicht: Dass die Gesamtschule Kürten ihre Schüler zu dem Besuch dieser Demonstration zwingen würde. Begründet wurde diese Behauptung mit dem vorhin schon angesprochenen Hinweis, dass es eine Pflichtveranstaltung sei. Wo mir einfach die Worte fehlen. Denn, wenn die Eltern "Ja" oder "Nein" ankreuzen können, können sie ja auch entscheiden, ob ihr Sohn/ihre Tochter an dieser Exkursion teilnimmt oder eben nicht, und somit in die Schule muss, um dort unterrichtet zu werde. Aber wie die Geschehnisse zeigen, gab es anscheinend noch mehr Menschen, denen das Verstehen der Situation bzw. eines Elternbriefs erfolgreich nicht gelungen ist.

Diese Fehlinformation wurde von vielen einfach so geglaubt und als richtig aufgefasst. Dabei frage ich mich, in welcher Zeit solche Menschen stehen geblieben sind, dass sie glauben, dass alles, was im Internet steht, stimmt und vor allem, dass in Deutschland Schüler zu dem Besuch von Demonstrationen gezwungen werden. Ich persönlich vermute dahinter die sogenannte Filterblase. Das bedeutet, die Leute bekommen in ihren sozialen Netzwerken nur das angezeigt, was sie sehen wollen und durch den Freundeskreis auf diesen Netzwerken werden sie dann noch zusätzlich in ihrer Sicht auf die Dinge bestätigt. Nur sind diese Ansichten oftmals aufgebaut auf erfundene Geschichten oder aus dem Zusammenhang gerissenen „Fakten“. Dieses Phänomen nennt man Echokammereffekt. (Eine Echokammer ist eine metaphorische Beschreibung einer Situation, in der Überzeugung durch Kommunikation und Wiederholung innerhalb eines geschlossenen Systems vertieft oder gefestigt werden.) Wenn diese zwei Punkte zutreffen, wie es leider oft der Fall war, kommen solche absolut unnötigen, nervenraubende Aktionen zu Stande – die in meinen Augen schlichtweg dumm sind. In der Zeit, in der wir leben, ist Informationsbeschaffung nicht schwer und für jeden machbar. Und somit habe ich einen Appell an all die, welche diesen falschen Informationen glauben und sie geteilt haben, aber auch an alle anderen Leute: Liebe Leute. Glaubt nicht alles, was im Internet steht. Prüft die Quellen auf deren Seriösität. Diskutiert mit Menschen, die nicht eurer Ansicht sind, um auch die Gegenseite zu hören und ggfs. zu verstehen, und glaubt nicht jeden Unfug. Das schont eure Nerven, da ihr euch nicht aufregt. Und uns sehr viel und ebenfalls Zeit und Nerven. Und da wären wir bei dem Punkt, der mich wohl mit Abstand am meisten ärgert und auch wieder nachdenken lässt. Es sind mehrere Beschwerdebriefe/Beschwerde-Mails sowie Anrufe an unserer Schule eingegangen. Größtenteils mit einem unsäglichen Ausdruck und oftmals auch anonym. Da stellt sich mir die Frage, was will man damit erreichen? Ich finde es gut, wenn man seine Meinung äußert und diese vertritt. Dass man, wenn man ein Problem mit jemandem hat, ihn dies wissen lässt und dann im Gespräch eine Lösung für das Problem sucht. Aber wenn man anonym einen Brief verfasst, in dem Beleidigungen gegen Lehrpersonen unserer Schule geschickt werden – was will man damit erreichen? Mein Stiefvater sagt immer: „Erst denken, dann lenken." Ich glaube nicht, dass die Leute nachgedacht haben. Denn sich anonym zu äußern, heißt immer, dass man nicht auf die Leute zugehen kann und will. Bei Formulierungen wie "Ihnen hat man ins Gehirn geschissen" hat man natürlich auch keine große Lust auf einen Diskurs...


Ich denke, dass diese Leute gar nicht das Problem, das sie hatten oder noch haben, lösen wollen. Sondern, dass sie aus Hass solche Narichten verfasst haben. Hass, welcher wegen falscher Informationen entstanden ist. Und mit Hass löse ich keine Probleme, sondern schaffe nur neue. Die Leute hätten sich bloß etwas informieren müssen. Aber nein, sie setzten sich hin und schrieben hasserfüllte Texte ohne handfeste Beweise, ohne Grund und ohne Sinn. Auch fragwürdig finde ich, dass Leute in Sachsen und anderen weit entfernten Städten die Zeit haben, sich über eine "Zwangsverpflichtung" zu einer Demo aus Kürten aufzuregen und auszulassen. Als hätten sie keine eigenen Probleme. Oder sie haben diese und ihr Hass und ihre Unzufriedenheit über ihr Spiegelbild trifft junge Lehrpersonen aus Kürten, die ihrer Klassen entgegen gekommen sind und sich bemühen, ihren Job gut zu machen. Und wie sich am Ende herausgestellt hat, hat unsere Schule alles richtig gemacht. Die Bezirksregierung Köln hat in einer E-Mail an die Schulleitung ihre volle Unterstützung im Fall der öffentlichen sowie nicht öffentlichen Verleugnung und Beleidigung erklärt. Deshalb wurden auch die Dienstaufsichtsbeschwerden gegen die betreffenden Lehrpersonen nicht weiter verfolgt. Also alles heiße Luft und falsche Informationen, die sofort angenommen und mit Hass bestückt verbreitet wurden.


In was für einem Land leben wir, wo Leute so furchtbar primitiv denken und deren Horizont scheinbar nie über den eigenen Tellerrand reicht. Ich finde es sehr traurig. Informationensbeschaffung aus seriösen Quellen ist, wie schon gesagt, so leicht. Aber anscheinend keine Option für viele, lieber den Hass und die Unzufriedenheit über sich selber auf andere ableiten - erbärmlich.

Da habe ich leider noch mehr Angst vor der Verblödung der Menschen als vor dem Klimawandel.


Ein Kommentar von Max Bölke.

Kommentare

  1. Da kann ich doch nur beipflichten. Wir müssen uns gemeinsam gegen die rechtsidentitäre Bewegung stellen.

    Wer Bildung auf Schulfächer beschränkt, der ist selber beschränkt.
    Derbe Worte Gewiss. Doch derb entgegne ich dem, der in derben verbesserungswürdigen Formulierungen solche Makulatur zu Blatt trägt, wie es die AFD Düren und ihre Sympathisanten tun.
    Von allzu seriösen Quellen (tichyseinblick sei vermerkt) zieht die AFD-Düren die Quellen ihrer Machwerke der politischen Intrige.
    Doch von diesen Lethes Fluten (des Vergessen) wurde nicht de Becher der Erquickung, sondern der der Erdreistung gereicht.
    Der Gesamtschule Kürten wird historischer Analphabetismus vorgeworfen, es werden gar Vergleiche zum NS und der DDR gemacht.
    Wie weit kann man eigentlich unter die Gürtellinie gehen ohne sich zu bücken meine, mir unrechten, rechten Populisten?
    Ich muss schon lange überlegen, um jemanden zu finden, der sich im ideologischen Idiotismus so überlegen fühlt.
    Sie stützen sich auf Angst und Hetze, wir auf Aufklärung und Grundgesetze.
    Aufklärung ist der Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit. Und Sie sollten sich das lieber mal zu Gemüte führen.
    Der Protest und die Äußerung von Meinungen und Fakten ist unsere Art, die der Aufgeklärten, sie auf zu klären. Dieses Recht, das halten wir für selbstevident, ist jedem gegeben und mit dem Imperativ zur Nutzung versehen.
    Das Recht auf Meinungsäußerung und Protest überwiegt.
    Aber wie Max schon richtig anmerkte, ist das für die Schüler auch völlig legitim. Es war eine FREIWILLIGE schulische Veranstaltung. Man darf entweder zu dem Protest als Bildungsveranstaltung, da es nun mal ein Historisches Event ist, oder aber in der schule verbleiben.
    Und selbst, wenn man mitmüsste. Sehen sie es doch als Museums besuch, alle kommen mit und sehen es sich an, weil es historisch relevant ist. Niemand muss mitprotestieren, die Schüler müssen nur anwesend sein.
    Der Bildungsauftrag wurde mit Exzellenz erfüllt. Dank sei der Schulleitung und den Schülern gewiss.
    Wie können Sie da also diesem jungen Rad in die Speichen fallen?!!!!
    Jemand unter dessen Namen eine Schule des RheinischBergischen Kreises errichtet wurde, welcher die gleichen Initialen trägt wie ich, würde sich im Grabe umdrehen bei Verwendung solcher Anschuldigungen mit NS-Bezug. Da Sie „historische Alphabeten“ sind, wissen sie wer gemeint ist.
    Aber nun genug der Sprache, lasset Taten folgen. Die Bewegungen, welche sich für das Klima einsetzen, dem wir unterliegen müssen und dürfen, wie FFF streben das Überleben dieser Gesellschaft an. Es ist der junge Keim, welcher treibt um aus dem Alten das neue ergrünen zu lassen, das Leben.
    Das sollte Commonsense sein. Und wie der Autor des gleichnamigen Pamphletes es metaphorisch zum Blatt trug, so sei auch diese Bewegung und damit diese Aktion, ein Ritz der Stecknadel in der Baumrinde. Und so wie dieser wächst, wird die kleine Wunde größer und zeichnet sich auf der Rinde dieser bröckelnden Welt ab um daraus aus voller Kraft hervor zu gehen.
    Seien wir der Stecknadelkopf auf der maroden Rinde dieser Welt.

    Dafür danke ich all denen, die standhaft gegen Extremismus und für die Bildung kämpfen

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts

Osteraktion der Klassen 5a und 6c - Frohe Ostern!

Ergebnisse der GSK-Schulwahl

Ein Abend in der Kölner Philharmonie

"Hoch hinaus" - Kuturabend 2019 an der GSK