Bürgermeisterwahl in Kürten - Michelle Askari im Interview

Die einzige weibliche und mit 25 Jahren die jüngste Kandidatin für das Bürgermeisteramt ist Michelle Askari. Auch sie kam zu uns in die Gesamtschule Kürten und stellte sich unseren Fragen. Viel Spaß beim Kennenlernen!


Könnten Sie sich einmal kurz vorstellen?
Ich bin Michelle Askari, 25 Jahre alt und verheiratet, komme aus Kürten und habe das Gymnasium in Herkenrath besucht. Danach bin ich für mein Studium (Geschichte,Germanistik und Politikwissenschaften) nach Frankfurt am Main gezogen.

Was ist ihr Antrieb Bürgermeisterin zu werden?
Mein Antrieb ist, wenn ich mich in die Perspektive der Wählerinnen und Wähler hineinversetze, dass ich kein vielfältiges Angebot an verschiedenen Kandidaten sehe. Schließlich wählt man den Kandidaten, durch den man sich am ehesten vertreten und repräsentiert fühlt, und da wirft sich die Frage auf, ob dies der männliche, Mitte 50-jährige Verwaltungsangestellte ist, also der durchschnittliche Bürgermeisterkandidat.
Und da sich in Kürten niemand neues, vielleicht jüngeres, aus einem anderen Berufsfeld beworben hat, habe ich das getan.

Wir Schüler dürfen ja auch schon ab 16 Jahren wählen. Warum sollten wir genau Sie wählen?
Weil ich vielleicht noch am besten nachvollziehen kann, was in euren Köpfen vorgeht, was für euch wichtig ist. Mein Bruder ist gerade erst 21 und auch ich bin noch nicht so lange aus der Schule raus, da kann ich besser verstehen, was in euch vorgeht, als jemand, der schon wesentlich älter ist. Außerdem möchte ich nicht der Bestimmer sein, dessen Ideen besonders wichtig sind, sondern ich möchte die Menschen dazu motivieren, selber etwas zu machen, dass all die Ideen, die die Bevölkerung hat, mit sinnvollen Projekten umgesetzt werden, ohne, dass ich alles bestimme.

Sie waren ja auch selbst im Kinder- und Jugendparlament als Vorsitzende. Irgendwie haben wir das Gefühl, dass dieses Gremium nicht ausreichend genutzt wird, wie sehen Sie das?
Ich habe gleich einen Termin im Kinder- und Jugendparlament und gehe da zu einer Sitzung. Es hat mich damals schon demotiviert. Die Politik wollte, dass es sowas gibt, aber es war alles sehr bürokratisch, wir bekamen z.B. Ärger für falsch formulierte Satzungen, so dass viele schnell wieder abgesprungen sind. Das hat mich geprägt und das würde ich gern aufbrechen, so dass man sich schneller und direkter beteiligen kann, wenn man das möchte.

Provokante Frage: Sind Sie nicht mit 25 Jahren zu jung um Bürgermeisterin zu werden? Sie sind ja mit Abstand die jüngste Kandidatin…

Da könnte man die Gegenfrage stellen, ob die andern nicht zu alt sind.
Ich frage mich immer: Warum wird das gefragt? Schließlich ist es erstens Altersdiskriminierung und zweitens ist Alter nicht mit Lebenserfahrung gleichzusetzen. Jemand, der zwar um Jahre älter ist als ich, aber nie seine Perspektiven wirklich erweitert hat, hat wohl kaum mehr Lebenserfahrung als ich. Also wenn zum Beispiel jemand seit 40 Jahren mehr oder weniger den gleichen Job macht, nie mit unterschiedlichen Arbeitgebern zusammengearbeitet hat, nie aus der Gemeinde rausgezogen ist, geschweige denn im Ausland gelebt hat, wo ist dann die Lebenserfahrung, die mir angeblich fehlen soll? Daher finde ich es nicht gerade aussagekräftig, jemanden auf sein Alter zu reduzieren.
Drittens werden in der heutigen Zeit andere Fertigkeiten benötigt als früher. Was bringt es einem Bürgermeister in 10 Jahren, wenn er weiß, wie eine Schreibmaschine funktioniert, aber nicht, wie man z.B. schnell ein Video in einer ansprechenden Machart hochlädt? Das heißt, für die Zukunft sind andere Qualitäten gefordert.

Haben Sie konkrete Pläne, um die Mobilität in Kürten weiter auszubauen, was würden Sie verändern?
Na, das was notwendig ist. Ich würde die Menschen, die das betrifft, fragen. Und dann würde ich nach Lösungen suchen mithilfe der Methoden, in denen ich ausgebildet bin. Welche Lösung das ist, da habe ich noch keine konkrete Antwort und es wäre meiner Ansicht nach auch falsch, wenn man diese jetzt schon hätte.

Es gab viel Streit und Diskussion um die Sanierung der Gesamtschule Kürten, wie geht es weiter, wenn Sie Bürgermeisterin werden?
Das ist ein sehr komplexes Thema und kann nicht in zwei Sätzen beantwortet werden.

Erstmal finde ich es schade, dass dieses Projekt oft mit den Kosten für das Splash Bad verglichen wird, immerhin geht es hier um Bildung und es ist wichtig in Bildung zu investieren. Es ist schade, was in der Vergangenheit alles versäumt wurde, aber egal auf was sich die Kosten belaufen, die Schule muss saniert werden, gute Bildung in guten Schulen sollte ein Kernbereich der deutschen Politik generell sein.

Schade ist, dass im konkreten Fall der GSK die Bürger nicht richtig informiert werden, es gab viele Unwahrheiten und Halbwahrheiten, Halbwissen, sämtliche Dokumente, die frei zugänglich waren, sind nicht sonderlich verständlich oder anschaulich.

Und wenn nun mal eine Zahl steht und es ist zu teuer für die Gemeinde, dann verstehe ich nicht, dass nicht nach rechts und links geschaut wird.

Also sollte man schauen, wie man das finanziert bekommt. Sei es durch Stiftungen, wie es auch an meiner Uni der Fall war, die einfache Möglichkeiten bieten, Privatleute spenden zu lassen. Welche Möglichkeiten es vielleicht durch Fund Raising gibt, wie kann man in dem Bereich mit dem Förderverein zusammenarbeiten? Man sollte Angeboten schaffen, Menschen anzuregen, in diese Bildungseinrichtung zu investieren oder nach Förderprojekten, die bestimmte Teilbereiche abdecken, wie z.B. Nachhaltigkeit oder Digitalisierung, Ausschau halten. Da ist meiner Meinung nach nicht alles ausgeschöpft.

Wir haben nun das Jahr 2025. Was haben Sie im Idealfall erreicht oder verändert?
Ich hoffe, ich habe erreicht, dass in Kürten insgesamt eine bessere Stimmung herrscht. Die Menschen sollen informierter sein und getroffene Entscheidungen besser nachvollziehen und verstehen können, selbst wenn sie ursprünglich anderer Meinung waren. Ich hoffe, dass die Menschen, die in der Verwaltung arbeiten, sich wohler fühlen, weil sich ihre Arbeitsbedingungen verbessert haben und sie deshalb einen besseren Service für die Kürtener bieten können. Außerdem hoffe ich, dass man sich schneller und leichter engagieren kann und die allgemeine Zusammenarbeit besser geworden ist.

Ich glaube nicht, dass wir dann eine fertige Gesamtschule Kürten haben, aber wir werden uns vielleicht schon in den Gebäuden ansehen können, wie schön es mal werden wird. Ich habe selbst eine Schulsanierung am Gymnasium Herkenrath mitgemacht und weiß daher, wie lange sowas dauert.

Was halten Sie von den aktuellen Protesten gegen die Corona-Bestimmungen?
Ich denke, dass es wichtig ist, dass wir ein Demonstrationsrecht haben und dass dem auch stattgegeben werden sollte. Es macht mich eher traurig, dass andere Demonstrationen in dieser Zeit nicht zugelassen werden, z.B. in Hanau wurde eine Demonstration gegen Rechts am gleichen Wochenende nicht zugelassen.

Mich macht es eher traurig, ich bin nicht direkt wütend auf die Menschen, die dann die Allgemeinheit in Gefahr bringen, indem sie sich nicht an bestimmte Regeln halten. Ich denke nicht, dass diese Menschen aus Bosheit andere gefährden wollen, sondern es liegt eher daran, dass sie nicht gut informiert sind oder vielleicht nicht die Möglichkeit haben, sich gut zu informieren. Mein Traum ist eine Gesellschaft, die wohlwollend Informationen untereinander austauscht und wir alle so informiert sind, dass diese Wut nicht entsteht.

Auf Ihren Wahlplakaten sieht man, dass Sie von der FDP und den Grünen unterstützt werden. Wie lässt sich das Wahlprogramm der beiden Parteien in einer Person vereinen, die trotzdem dann parteilos ist?
Dies lässt sich so vereinen, dass ich mein eigenes Wahlprogramm mit einem 3-Punkte Plan habe. Beide Parteien haben einen eigenen Ratswahlkampf mit ihren eigenen Parteiprogrammen und mein Wahlkampf ist davon losgelöst. Ich habe ein eigenes Wahlkampfteam, aus beiden Parteien jeweils 3 Personen, das ich organisiere und leite. Grundsätzlich bin ich mir bewusst, dass beide Parteien gerade in Kürten an zwei verschiedenen „Enden“ sitzen, aber ich halte sehr viel davon mit unterschiedlichen Meinungen und Menschen zu arbeiten, was dazu führt, dass eine gewisse Art von "Reibung" entsteht. In dieser Reibung lässt es sich aus meiner Erfahrung am produktivsten und kreativsten arbeiten.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben.
Sehr gern.

Das Interview führten Darlene Schiska, Lena Heider und Fabian Fast.

Das Foto wurde von Frauke Rühl aufgenommen.

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