Bürgermeisterwahl in Kürten - Stefan Plag im Interview

Auch Stefan Plag, der Bürgermeisterkandidat der SPD, stellte sich in der Gesamtschule Kürten unseren Fragen. Viel Spaß beim Kennenlernen.


Könnten Sie sich zunächst einmal kurz vorstellen?
Mein Name ist Stefan Plag, ich bin 56 Jahre alt und habe zwei Kinder. Eine Tochter, die 19 Jahre alt ist und meine weitere Tochter ist 14. Marina heißt sie und sie geht ebenfalls auf die Gesamtschule in Kürten. Ich arbeite bei der Rheinenergie als kaufmännischer Sachbearbeiter und bin seit vielen Jahren in der Politik, genauer gesagt für die SPD, tätig. Jetzt kandidiere für die Bürgermeisterwahl in Kürten.

Waren Sie zufällig auch früher hier an der Schule?
Nein. Ich komme aus Köln und bin früher in Köln zur Schule gegangen.

Was ist Ihr Antrieb Bürgermeister zu werden?
Die Veränderung. Ich habe gesehen, dass es in der Verwaltung Probleme gibt und ich würde gern die Bürger mehr mit ins Boot nehmen. Mein Ding ist es, bürgernah zu werden. Wir leben gerade in einer Zeit, in der die Menschen das Vertrauen in die Politik verloren haben. Gerade in Zeiten von Corona und Politikverdrossenheit kam es zu Problemen, was das Vertrauen der Menschen in die Politik angeht.

Was würden Sie daran konkret ändern wollen?
Gerne würde ich Bürger an Entscheidungen teilhaben lassen. Das halte ich für einen sehr wichtigen Punkt. Gerade in Zeiten, in denen eine gewisse große Partei sehr großen Zufluss durch große Unzufriedenheit hat. Durch die Unzufriedenheit ist es umso wichtiger, dass man die Bürger an Entscheidungen teilhaben lässt.

Wir als Schüler dürfen ja schon ab 16 Jahren wählen. Warum sollten wir Schüler ausgerechnet Sie wählen, was hebt Sie vor?
Weil ich noch zwei junge Kinder habe und ich auch, als ein Vertreter der älteren Generation, mitreden kann. Die Probleme meiner Kinder, die gleichzeitig die Probleme eurer Generation sind, kriege ich mit. Außerdem bin ich Gewerkschafter und kann mich in Situationen hineinversetzen, in denen es Menschen finanziell nicht gut geht. Daraus entwickelt sich eben auch mein Antrieb der Bürgernähe, denn dadurch gewinnt man Vertrauen und ebenfalls das Vertrauen darin, mich als „den Stefan Plag“ zu wählen.

Wo sehen Sie denn die Probleme, die Sie lösen würden, weil Sie diese durch Ihre eigenen Kinder besser kennen?
Wenn wir uns hier im Gebäude mal umschauen, lässt sich ein Problem bereits erkennen. Das ist nicht nur hier so, sondern betrifft viele Schulen, es wurde viele Jahre nichts gemacht und alles abgewirtschaftet. Corona könnte man natürlich als Anlass nehmen, um vieles an Schulen zu verändern. Das kostet alles ein „Schweinegeld“, aber das kann gleichzeitig kein Hindernis sein. Vor allem wenn ich mich hier umschaue und noch das alte Winkeldreieck und Lineal sehe. Da frage ich mich, wo sind die Anschlüsse für Laptops etc.? Da müssen wir hin. Wir brauchen hier eine Digitalisierung und die muss funktionieren.

Haben Sie konkrete Pläne, um die Mobilität in Kürten zu verbessern, gerade für Jugendliche?
Gerne würde ich den Nahverkehr mit weiteren Bussen ausstatten. Gerade in unserer Region braucht man sehr lange, um eine Strecke bis Köln zu bewältigen. Mein Anliegen liegt auch darin, die Taktung der Busverbindungen auszubauen, denn die Schulbusse sind z.B. sehr überlastet. Ich sehe bei meiner Tochter, wie voll die Schulbusse sind, gerade in Zeiten von Corona, das darf nicht sein. Ich möchte die Busverbindungen ausbauen, indem ich Kontakt zu der WUPSI aufnehme. Dabei darf man nicht vergessen, dass Prozesse in der Kommunalpolitik teilweise dauern, ich will auch nicht zu viel versprechen. Außerdem darf man nicht außer Acht lassen, dass man ökologische Mobilität fördert. Gerade wenn es dabei auch um die Verantwortung gegenüber euch, eurer Generation geht.

Es gab viel Streit und Diskussion um die Sanierung der Gesamtschule Kürten, wie geht es weiter, wenn Sie Bürgermeister werden?
Wenn ich Bürgermeister werde, würde ich den Bau der Schule vorantreiben. Dabei möchte ich, beziehungsweise die SPD, die Kosten im Blick haben, die im Moment nicht richtig kalkulierbar sind. Die SPD hat, wie viele aus der Elternmail von Herrn Schröder erfahren haben, den Baustopp beantragt, um die Finanzen erneut zu kalkulieren. Man muss nun überlegen, wie es weitergeht, werden vielleicht nur Teilbereiche saniert, man muss die Zahlen im Blick haben. Eventuell muss noch überprüft werden, ob noch finanzielle Mittel über Bund und Land möglich sind, denn da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ein Baustopp soll in diesem Sinne erst mal heißen, wir überprüfen die Finanzierung noch einmal. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um einen Planungsstopp, der bedeutet, dass es eine lange Zeit nicht weitergeht.

Also versuchen Sie die Sanierung, mit den Finanzen im Blick, möglichst schnell voranzutreiben?
Sehr schnell, also wirklich schnell. Dabei möchte ich nicht, dass heute noch jüngere Schüler später die Schule verlassen und keine Veränderung stattgefunden hat. Ich sage immer: Versuchen, machen! Durch mögliche weitere finanzielle Möglichkeiten, die das Land oder der Bund über Corona zur Verfügung stellt, könnte man die finanziellen Mittel möglicherweise aufstocken. Das sind auch keine leeren Versprechungen. Ich sehe das als Chance. Wenn die Sanierung nicht bald geschieht, dann wird es unter Umständen teurer.

Wir haben nun das Jahr 2025. Was haben Sie im Idealfall erreicht oder verändert?
Mit Sicht auf die Schule stelle ich mir vor, dass sich einiges bewegt hat, vor allem hinsichtlich der Digitalisierung und des Schulumbaus natürlich. Außerdem muss sich im eben angesprochenen Punkt einiges getan haben, bezüglich Infrastruktur und Anbindung der Busse. Die letzten Punkte wären die Bürgernähe und die Gemeinde.

Haben Sie da vielleicht auch konkretere Vorstellungen was das angeht, inwieweit 2025 die Sanierung der Schule schon vorangeschritten sein soll?
Bezüglich der Schule und der Zeitspanne bis 2025 könnte ich mir vorstellen, dass da schon einiges passiert ist. Ein Traum wäre natürlich, wenn alles schon fertig wäre. wenn man in einem Endstadium der Arbeiten wäre, wäre ich damit glücklich, das wäre auch mein Ziel. Das ist natürlich eine sehr hohe Herausforderung. Aber ich sage: Es ist auch nicht unmöglich, wenn man will!

Was halten Sie von den aktuellen Protesten gegen die Corona-Bestimmungen?
Man muss da unterscheiden. Denn da gibt es erstmal die Menschen, die auf der Straße um ihr Recht demonstrieren. Das ist ein hohes Gut in der Demokratie. Dabei muss man nur auf einen Punkt achten, denn unter den Demonstranten sind einige, die Corona leugnen. Deshalb betone ich die Bürgernähe, denn es ist manchmal schwer für Außenstehende Politik zu verstehen. Stellt man sich ein Umfeld vor, in dem es keine Corona-Erkrankten gibt, aber das gesamte Umfeld von einem Coronaausbruch spricht, dann können sie das erstmal nicht spüren. Das führt dazu, dass die Unzufriedenheit zunimmt und Menschen das Vertrauen verlieren. Da haben die großen Parteien Fehler gemacht. Meiner Meinung nach hat man den Menschen zu wenig erklärt. D
eshalb sind vielleicht die Corona-Demonstrationen auch wichtig, es ist ein Zeichen:„Leute wir haben Demokratie!“. Und das sollte man sehr, sehr ernst nehmen. 

Ich kenne außerdem viele Fachleute, die man einladen könnte und die eine unabhängige Erklärung liefern können, zum Beispiel Professor Karl Lauterbach. Das ist ein großer Punkt, um Menschen aufzuklären und bei ihnen Vertrauen zu schaffen. Aber das betrifft nicht nur Corona. Es betrifft alle Möglichkeiten und Sachverhalte, die die Gemeinde betreffen. Da ist es wichtig, die Bürger zu integrieren. Ich sage deutlich, dass der Bürgermeister, in meinem Fall gestellt von einer Partei, dann der Bürgermeister Kürtens ist und nicht der Bürgermeister der SPD. Der Bürgermeister muss auch Entscheidungen treffen, die nicht konform mit den Entscheidungen der Partei sind, das habe ich mit meinen Parteigenossen so abgesprochen. Denn erstmal wäre ich Bürgermeister und kein „SPD-Partei-Meister“. Natürlich unterstützt einen eine Partei und ohne ist es herausfordernder. Eine Partei ermöglicht einem auch Wege auf Landes- oder Bundesebene. Wobei ich natürlich als Bürgermeister kandidiere und Positionen auf Landes- oder Bundesebene ausdrücklich nicht anstrebe.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben!
Ich finde es toll, dass ihr das macht. Ich betone oft, dass man Sachverhalte immer wieder hinterfragen soll und Fragen stellen muss. Mir persönlich ist die Offenheit sehr wichtig. Durch persönliche Kontakte ist es mir auch in der Vergangenheit immer wieder gelungen auch Schülerinnen und Schülern politische Vorträge zu ermöglichen und dadurch aufzuklären. Das wäre ebenfalls mein Antrieb für diese Schule. Ab Sonntag wissen wir ja auch, wie es ausgeht. Für mich ist die Karriere nicht wichtig. Ich trete als Bürgermeister an. Ich bin nun 2 Jahre in Kürten, wohne in Bechen und fühle mich hier "sauwohl" und man wird mich hier auch öfter auf Veranstaltungen in der Politik sehen, in welcher Funktion auch immer, und auch auf Veranstaltungen an dieser Schule.

Das Interview führten Yasmin Laudenberg und Ronja Höller.


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