Bürgermeisterwahl in Kürten - Willi Heider im Interview


Ein weiterer Tag, ein weiteres Interview. Diesmal stellte sich der amtierende und parteilose Kürtener Bürgermeister Willi Heider unseren Fragen.



Guten Morgen Herr Heider, könnten Sie sich zunächst nochmal kurz vorstellen mit Name, Alter und Schullaufbahn?

Mein Name ist Willi Heider, ich bin 62 Jahre alt, verheiratet, 4 Kinder, eine Tochter ist in der Oberstufe der Gesamtschule Kürten. Ich war in der Vorschule in Olpe, danach habe ich die Grundschule in Kürten besucht und habe mein Abitur am St. Angela Gymnasium in Wipperfürth gemacht.

79 habe ich meine Ausbildung bei der Gemeinde Kürten begonnen, habe dann Leitungsfunktionen im Baubereich übernommen und bin bis heute dort beschäftigt. Seit nun 6 Jahren bin ich Bürgermeister.

Was ist Ihr Antrieb, Bürgermeister zu bleiben?

Es ist eine sehr herausgehobene Tätigkeit in der Gemeinde Kürten, mit vielen Anforderungen und Tätigkeiten, die ich gerne mache. Ich komme nach wie vor gerne zur Arbeit, mir macht die Arbeit Spaß.

Wir Schüler dürfen ja auch schon ab 16 wählen. Warum sollten wir gerade Sie wählen?

Mit über 40 Jahren Erfahrung in der Verwaltung kenne ich natürlich die Verwaltung, die Kollegen und auch die Problembereiche der Gemeinde Kürten. In den letzten Jahren konnte viel bewegt werden, zusammen mit der Politik sind viele Dinge angestoßen worden, z.B. im Bereich ÖPNV/ Personennahverkehr wurden Weichen für die Zukunft gestellt. Die Politik hat entschieden, dass ein Klimaschutzkonzept aufgestellt wird, wir sind gerade dabei, einen Klimamanager einzustellen, damit dieses Konzept erarbeitet werden kann.

Ich bin unabhängig, gehöre keiner Partei an, was die Arbeit in der Verwaltung natürlich nicht leichter macht, zumindest in der Zusammenarbeit mit der Politik. Man muss versuchen, mit allen Fraktionen einen Konsens zu finden und dann Mehrheiten für Abstimmungen zu finden. Wir haben die Schulsanierung auf den Weg gebracht, wir sind nun im 3. Jahr in der Planung, haben alles von Grund auf geplant, natürlich mit einem riesigen Kostenvolumen und das gilt es, für die Zukunft umzusetzen. Von daher denke ich, dass ich auch für Sie mit jungen Jahren eine Kontinuität darstelle, wo man sagen kann, den „alten Herrn“ kann man auch gut wählen.

Haben Sie konkrete Pläne, um die Mobilität in Kürten weiter auszubauen?

Wir haben schon viel erreicht, ÖPNV ist Angelegenheit des Kreises, die Verbindungen sind weiter ausgebaut worden und die Taktungen wurden verdichtet. Ich glaube, dass wir zurzeit gut angebunden sind, zumindest mit der Busverbindung Richtung Bergisch Gladbach, Wipperfürth sollte sich in naher Zukunft anschließen.

Wir haben im weiteren Blick die Anbindung an die Stadtbahnlinie 1 nach Bensberg, so dass der Schienenverkehr bis nach Spitze geführt würden könnte. Dort laufen derzeit Untersuchungen auf Kreisebene und das wird dann eine Maßnahme sein, die vielleicht in 20-30 Jahren umgesetzt werden kann.

Wir sind dabei, für den Individualverkehr Umstiegsmöglichkeiten zu schaffen, also vom PKW-Verkehr zum ÖPNV oder vom Radverkehr zum ÖPNV. Die erste Pedelec Station wurde errichtet am Karl-Heinz-Stockhausen Platz, das auch kreisweit in der Vernetzung, so dass man mit den ausgeliehenen E-Bikes nach Rösrath, Overath oder Bergisch Gladbach fahren kann und sie dort wieder abstellen kann. Es sind also schon viele Möglichkeiten geschaffen worden und es soll weiter ausgebaut werden. Eine zweite E-Bike-Station soll in Bechen gebaut werden, für Spitze ist ein Park and Ride Parkplatz geplant. Viele Bausteine, die dann den ÖPNV bereits stärken und auch weiter stärken sollen.

Es gab viel Streit und Diskussionen um die Sanierung der Gesamtschule Kürten. Wie geht es weiter, wenn Sie Bürgermeister werden?

Streit um die Schulsanierung würde ich so nicht sagen. In den großen Punkten, also dass die Schule saniert wird und dass auch viel Geld ausgegeben wird, sind sich alle Parteien einig. Jetzt sind wir in Planungsphasen, in denen auch Weichen gestellt werden müssen. Und da gilt es nun, einen Konsens zu finden. Natürlich ist eine Investition von ca. 60 Millionen eine sehr große Aufgabe für die Gemeinde Kürten, die Gemeinde hat einen Jahreshaushalt von nicht ganz 40 Millionen Euro, da sind zusätzliche 60 Millionen ein riesiger Schuldenberg, der zusätzlich abgetragen werden muss. Dass dabei Fragen auftreten und auch gegensätzliche Meinungen entstehen, liegt auf der Hand und es ist das Wesen der Demokratie, dass man sich über gewisse Dinge streitet, damit man am Ende einen Konsens findet und das Vorhaben umsetzt. Also in der großen Frage der Sanierung der Gesamtschule sind sich alle Parteien einig.

Wir haben nun das Jahr 2025. Was haben sie im Idealfall erreicht, verändert?

Unabhängig von meiner Person sind sehr viel Dinge angestoßen wurden. Ich denke, die Schulsanierung wird dann noch nicht ganz abgeschlossen sein, aber zum größten Teil müsste die Sanierung umgesetzt sein. Zumindest in der Sanierung der Gebäude, dann Gestaltung der Außenbereiche. Ich hoffe, dass wir in 2025 auch Klarheit haben, ob ein Schienenanschluss bis nach Spitze kommt und wir werden einen Park and Drive Parkplatz in Spitze gebaut haben.

Dazu mussen an verschiedenen Bushaltestellen auch die Möglichkeiten schaffen, entweder das Fahrrad oder das Auto abzustellen, dass man vernünftige Parkflächen hat, um den Bus bis Gladbach und die S-Bahn weiter bis nach Köln zu nutzen. Die Verwaltung ist jetzt personell gut aufgestellt, hier konnten zusätzliche Stellen eingerichtet werden, alte Stellen wurden neu besetzt. Mit den neuen Kollegen und Kolleginnen kann die Gemeinde neue Aufgaben erledigen, also sind wir für die Zukunft gut aufgestellt. Wir werden ein Klimaschutzkonzept erstellt haben, in dem wir darstellen, dass die Gemeinde Kürten bis 2050 CO2-neutral ist, wie von der Politik gefordert. Ob uns das gelingt, weiß ich noch nicht, aber zumindest haben wir das Klimaschutzkonzept und können mit Sicherheit auch die ersten Schritte aufweisen, dass wir da auf dem richtigen Weg sind.

Wir haben neben der Schulsanierung auch noch die Feuerwehren, die wir im Blick halten müssen. Wir haben die Feuerwehrwache in Biesfeld bereits neu gebaut und eingeweiht, jetzt müssen die Standorte in Olpe und Dürscheid auch noch erneuert werden. In Olpe sind wir dabei ein Grundstück zu finden und ich denke, das wird dann auch 2022/23 besetzt werden können, in Dürscheid mit ähnlichem Zeitrahmen, so dass wir dann die Feuerwehren auf dem modernen Stand haben.

Und Wohnraum ist immer ein großes Thema, also auch die politische Diskussion, soll man weitere Flächen erschließen, soll man Siedlungen erschließen. Ich glaube, das ist sehr wichtig, weil Wohnraum immer knapper wird. Es wird bezahlbarer Wohnraum gesucht und da müssen wir entsprechend handeln und auch kleinere Baugebiete im Gebiet der Gemeinde Kürten ausweisen. Ja, ich denke, das ist schon sehr viel, aber wir werden Vieles umsetzen müssen, Vieles ist angestoßen bis 2025 und es wird nicht langweilig.

Was sagen sie zu den aktuellen Corona Protesten? Können sie nachvollziehen, dass Menschen deswegen auf die Straßen gehen?

Vom Grundsatz her muss man da meiner Meinung nach verschiedene Lager trennen. Zum einen gibt es Menschen, die Existenzängste haben, die in Kurzarbeit sind oder die ihren Job nicht wahrnehmen können oder verloren haben. Da sich viele Leute um ihre Zukunft Sorgen machen, kann ich mir gut vorstellen, dass die auch Interesse haben, zu demonstrieren. Aber jetzt ist es leider vermischt mit Corona-Leugnern, Verschwörungstheoretikern und radikalen Gruppierungen, die einfach diese Strömung nutzen, um sich dann darzustellen, um das Ganze zu missbrauchen. Ich habe kein Verständnis dafür, dass dann die Sicherheitsaspekte wie Hygiene, Abstand und das Tragen eines Mundschutzes, die ja vorgegeben sind von der Regierung, nicht eingehalten werden.

In Deutschland, in einer Demokratie, ist es so, dass Demonstrationen ein sehr hohes Gut sind, ein Grundrecht, das nicht ohne Weiteres eingeschränkt werden darf, wie auch die letzte Entscheidung des Verwaltungsgerichts in Berlin gezeigt hat. Schade ist es, dass das dann durch radikale Gruppierungen missbraucht wird.

Im einen Interview bei uns 2014 sagten Sie, dass Sie attraktive Freizeitmöglichkeiten für die Jugendliche schaffen wollen. Was haben Sie diesbezüglich umsetzen und erreichen können?

Wir müssen zum einen sehen, dass das Splash Bad offen bleibt. Zurzeit sind wir mit dem Betreiber in Diskussionen, da auch hier zu Coronazeiten die Einnahmen wegbrechen. Es ist so, dass die Gemeinde das Schulschwimmen fördert und auch zur Betreibung einen gewissen Zuschuss gibt und da ist nun zu entscheiden, können wir den Zuschuss etwas erhöhen und dann auch Sicherheiten für das Bad schaffen.

Auf der anderen Seite gilt es, Freizeiteinrichtungen zu schaffen. Wir haben ja schon viele über die örtlichen Vereine, über die Sportvereine, über die Chöre, Musikvereine. Da gilt es, die Vereine auch weiter zu stärken. Gerade jetzt in Corona haben wir auch keine Einnahmemöglichkeiten, dadurch, dass keine Konzerte oder andere Veranstaltungen stattfinden können. Und ansonsten hoffen wir natürlich, dass mit der Fertigstellung des Jugendzentrums oben im Dorf auch ein attraktiver Anlaufpunkt für die Jungend geschaffen wird. Hoffentlich kommt es auch so wie erwartet, dass es gut angenommen wird. Und wenn es Ideen gibt, auch von der Jugend, immer gerne. Ich glaube, da ist die Politik auch mit einem offenen Ohr bereit, diese entgegenzunehmen und auch für die Zukunft etwas umzusetzen.

Bei der letzten Wahl haben Sie ja in der Stichwahl gegen Herrn Beer von der CDU gewonnen. Warum werden sie dieses Mal auch gewinnen?

Ob ich dieses Mal gewinne, kann ich Ihnen so jetzt nicht sagen. Mein Ziel ist es, im ersten Wahlgang natürlich in die Stichwahl reinzukommen. Ob das gelingt, muss man abwarten. Und hoffentlich konnte ich das Vertrauen, das die Wähler in den letzten Jahren in mich gesetzt haben, erfüllen und sehe dem dann auch gelassen entgegen. Ich habe jetzt für die Zukunft keine Existenzängste, mit 62 Jahren ist es dann auch keine Schande in den Ruhestand zu gehen, aber ich würde mich freuen, wenn die Wähler nochmal das Votum für mich abgeben und ich noch fünf Jahre Bürgermeister bleiben darf.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für den Wahltag. 
Dankeschön. 

Das Interview führten Jule Henning, Eila Orbach und Nico Kötter.

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