Interview mit Herrn Kowalski



Herr Kowalski wird unsere Schule nach 38 Jahren im Beruf verlassen und in den wohlverdienten Ruhestand starten. Dies nahm die Schülerzeitungsredaktion zum Anlass, ihn zu interviewen. Das Interview führten Gina S., Darlene S. und Lucy K. (5b).

Auf diesem Weg wünschen wir Ihnen auch gute Besserung und hoffen, dass Sie bald wieder gesund sind.
Sind Sie traurig, dass sie in Rente gehen oder freuen sie sich ?
Nein, ich freue mich.

Was werden Sie vermissen ?
Ich werde nichts vermissen.

Worauf freuen Sie sich ?
Keine Verantwortung mehr zu tragen.

Haben Sie Pläne?
Ja, ich will mit dem Fahrrad durch ganz Deutschland fahren. 

Warum haben Sie sich für den Beruf ,, Lehrer'' entschieden? Und war es die richtige Entscheidung ?
Während meiner Zeit bei der Bundeswehr habe ich drastisch vor Augen geführt bekommen, wie man nicht mit jungen Menschen umgeht. Das wollte ich besser machen.

Was war das schönste Erlebnis ?
Eine Schülerin aus meiner alten Klasse ist Oberärztin an einem Krankenhaus in der Schweiz. Nach 24 Jahren habe ich sie im Internet wiedergefunden, da hat sie gesagt, dass ich ein guter Lehrer war.

Gab es traurige Erlebnisse ?
Viele. Ich leide immer mit, wenn es Kindern schlecht geht, weil deren Eltern sich nicht vernünftig um sie kümmern oder ein schlechtes Vorbild für sie sind. Sei es, dass die Eltern Alkoholiker sind oder den Kindern alles bzw. nichts altersentsprechend erlauben. Die Kinder leiden dann körperlich und psychisch, weil ihnen Menschlichkeit und Wärme fehlt. Das heißt aber nicht, dass ich im Unterricht nur freundlich bin, aber ich hasse es, wenn ich den "bösen" Lehrer machen muss.

Haben Ihnen die Schüler den letzten Nerv geraubt ? 
Ja, Ja...

Was wäre Ihr zweiter Traumberuf ?
Mediziner oder Anwalt.

Würden Sie sich noch mal für den Beruf "Lehrer" entscheiden ?
Nein! Ich glaube, dass in diesem Beruf Begriffe wie Vorbildfunktion, Menschlichkeit, Wärme zugunsten von zweifelhaften neuen Begriffen wie Leistungsvergleich, Optimierung und "Lehrer können alles" aufgegeben werden. Ich selbst war und bin immer sehr leistungsorientiert gewesen. Leistung im Sinne von Interesse am Lehrstoff und nicht Leistung um der Leistung Willen. Natürlich habe ich mich in einer Lehrprobe über ein "sehr gut" gefreut, aber wichtiger war für mich immer die Schlussfrage: "Hat man mich verstanden und was hat man gelernt?"

Wie würden Sie ihre Lehrerlaufbahn mit einem Wort beschreiben ?
Kurz. Man glaubt nicht, wie schnell 38 Jahre rum sind.

Glauben Sie, Sie waren ein guter Lehrer ?
Weiß ich nicht, ich glaube manchmal Ja, manchmal Nein.

Bereuen Sie ihre Fächerwahl oder sind sie damit zufrieden ?
Ich finde, sie war gut.

Warum haben Sie genau diese Fächer gewählt ?
Ich habe schon immer gerne Kunst gemacht. Als Kind habe ich sogar für 10 Pfennige Bilder an meine Klassenkameraden verkauft. Dann haben sie immer gute Kunstnoten bekommen und die Lehrer haben das nicht gemerkt. Im 2.Semester Pädagogik habe ich mich beim Arbeitsamt mal berufsorientiert testen lassen, dabei ist ist herausgekommen, dass ich handwerklich total begabt bin. Naja - stimmt.

Haben Sie mit ihren Erfahrungen Tipps an die angehenden Lehrer ?
Ja, ich habe sehr viele Tipps. Hier die drei wichtigsten:
1.Jeder muss seine eigene Lehrerpersönlichkeit entwickeln.
2.Viele unterschiedliche Schulen und Lehrer kennen lernen.
3. Auf gar keinen Fall einen Partner mit dem gleichen Beruf heiraten.

Wenn Sie sich auf eine Zeitreise begeben könnten, was würden Sie gerne noch mal erleben und was würden Sie gerne dann anders machen ?
Ich würde dann im Ausland studieren. Ich hatte mal das Angebot als muttersprachlicher Deutschlehrer im Berlitz Fremdsprachensystem ( kann ich jetzt ja sagen: Habe da eine Ausbildung in Deutsch für Ausländer) nach Palma de Mallorca zu gehen. Da haben mich meine Eltern gefragt, ob ich spinne. Schade, ich hätte sicher eine Spanierin  geheiratet, hätte viele Kinder, wäre Hoteldirektor auf Malle und säße jetzt am eigenen Pool in der Sonne.

Können Sie die Lustlosigkeit der Schüler manchmal auch verstehen ?
Nein, überhaupt nicht. Es gab sicher Fächer, die ich nicht geliebt habe (Englisch), aber wenn der Lehrer oder die Lehrerin nett waren, habe ich trotzdem einigermaßen gelernt und  für Fächer, die mich interessiert haben (z.B. Philosophie, Kunst) habe ich sehr viel getan.

Waren Sie selber ein motivierter Schüler?
Motiviert ja, aber ich hatte den Eindruck, und unsere Abiklasse hat vor Gericht auch den Nachweis erbracht, dass Noten nicht leistungsabhängig vergeben wurden.

Kommen Sie uns mal besuchen ?
Nein. Ich wohne doch vor der Haustüre. Besuche zählen erst ab 5 km Entfernung.

Was haben Sie uns noch zu erzählen ?
Ich bin seit 38 Jahren Lehrer. Ich habe Erste Hilfe und Verkehrserziehung neben meinen Fächern unterrichtet, ein großes Thema zu "sanfte Geburt" gemacht und die erste Schülerzeitung "Blick" entworfen.
Und es gab noch viele andere schulbezogene Projekte, an die ich mich gerne erinnere und in der Erinnerung soll alles bleiben, denn sie färbt warm und schön und verdrängt alles problembehaftete.

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